IST DER DROGENBASIERTE ANSATZ ZUR BEHANDLUNG VON PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN GESCHEITERT?

Von Hans-Reinhard Schmidt
Bekannte Kritiker der ADHS (21)


ROBERT WHITAKER

Robert Whitaker ist ein amerikanischer Wissenschaftsjournalist und Autor, der über Medizin, Wissenschaft und Geschichte schreibt. Er ist Autor von fünf Büchern, von denen drei die Geschichte und Praxis der modernen Psychiatrie behandeln. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und ist Gründer und Herausgeber von Mad in America,  einem Webzine, das das moderne psychiatrische Establishment kritisiert.

In einem aktuellen Interview mit John Horgan, veröffentlicht in Scientific American, sagt Whitaker zur aktuellen Lage der Psychiatrie, und damit auch zur „ADHS“:
 
Whitaker: Die Diagnosen im Diagnose- und Statistikhandbuch ( DSM ) wurden nicht als diskrete Krankheiten validiert. Die Genetik von psychischen Störungen bleibt zweifelhaft. MRT-Untersuchungen haben sich nicht als nützlich erwiesen. Langfristige Ergebnisse sind schlecht; und die Vorstellung, dass Psychopharmaka chemische Ungleichgewichte beheben, wurde aufgegeben.

Horgan: Sehen Sie Fortschritte beim Verständnis der Ursachen von psychischen Erkrankungen?

Whitaker: Ja, und dieser Fortschritt könnte folgendermaßen zusammengefasst werden: Die Forscher kehren zu Untersuchungen zurück, wie wir von dem beeinflusst werden, was „uns passiert ist“.

Die Adverse Childhood Experiences- Studie liefert überzeugende Beweise dafür, wie Traumata in der Kindheit – Scheidung, Armut, Missbrauch, Mobbing usw. – die körperliche und geistige Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Wenn Sie eine Gruppe von Frauen befragen, bei denen eine schwere psychische Störung diagnostiziert wurde, finden Sie regelmäßig Berichte über sexuellen Missbrauch. Rassismus fordert seinen Tribut. So auch Armut, drückende Arbeitsbedingungen und so weiter. Sie können weiter und weiter machen, aber all dies ist eine Erinnerung daran, dass wir Menschen darauf ausgelegt sind, auf unsere Umwelt zu reagieren, und es ist ziemlich klar, dass psychische Belastung größtenteils aus schwierigen Umgebungen und bedrohlichen Erfahrungen in Vergangenheit und Gegenwart resultiert.

Und mit dem Fokus auf Lebenserfahrungen als Quelle von „Geisteskrankheiten“ wird nun eine verwandte Frage gestellt: Was brauchen wir alle, um geistig gesund zu sein? Obdach, gutes Essen, Sinn im Leben, jemand zum Lieben und so weiter – wenn Sie es aus dieser Perspektive betrachten, können Sie sehen, warum, wenn diese unterstützenden Elemente zu verschwinden beginnen, psychiatrische Schwierigkeiten auftreten.

Ich glaube nicht daran, dass es biologische Faktoren geben kann, die „psychische Erkrankungen“ verursachen.

https://www.scientificamerican.com/article/has-the-drug-based-approach-to-mental-illness-failed/?fbclid=IwAR0zNmmDSfzv0jQGGQ02kbu_MIMcjawkyg6LXJLUnL5TqVWAeYv0Daao_cA

DIE 7 HÄUFIGSTEN FAKES ÜBER ADHS

(plus eine kostenlose Zugabe)

Von Hans-Reinhard Schmidt

Befürworter des ADHS-Konstrukts pflegen sich, wenn überhaupt, mit den fundierten Argumenten der ADHS-Kritiker leider nur polemisch und wissenschaftlich unseriös auseinanderzusetzen. Hier die 7 häufigsten Falschbehauptungen und Unterstellungen gegen die ADHS-Kritik, und ihre Richtigstellungen:

Falschbehauptung 1:
Wer die Existenz von ADHS bezweifelt, negiert die Nöte von „Betroffenen“.
Richtigstellung: Wenn ein Arzt bezweifelt, dass Fieber eine eigene Krankheitsentität ist, wird er nach der Fieberursache suchen und dem Fieberpatienten dann spezifisch helfen. Um Menschen mit psychischen Schwierigkeiten zu helfen, braucht es „ADHS“ nicht. Im Gegenteil: Wer ADHS bezweifelt, sucht differenziert nach der jeweiligen Ursache der vieldeutigen Symptome und kann nur so gezielt helfen.  

Falschbehauptung 2:
Einem ADHS-Betroffenen Psychopharmaka zu verweigern kommt der Verweigerung gleich, einem Kurzsichtigen eine Brille zu verordnen.
Richtigstellung: Kurzsichtigkeit kann man als Fehlfunktion objektivieren, ADHS aber nicht. Deshalb hinkt diese Gleichsetzung von Fehlsichtigkeit mit ADHS gewaltig.

Falschbehauptung 3:
Die Ursache von ADHS ist längst bewiesen.
Richtigstellung: Die Ätiologie von ADHS ist ungeklärt.

Falschbehauptung 4:
ADHS wird bis zu 80% vererbt.
Richtigstellung: Dieses Ergebnis kritikwürdiger Methoden der Verhaltensgenetik lässt sich mit modernen molekulargenetischen Methoden nicht bestätigen. Man findet hier nur Varianzanteile von maximal 5%, was klinisch vollkommen uninteressant ist, weil eben mindestens 95% des Verhaltens nicht durch genetische Faktoren abgedeckt sind. Die bisherige Genetik bei ADHS ist zudem unspezifisch, d.h. die gefundenen Gene finden sich auch bei fast allen anderen psychiatrischen Diagnosen.

Falschbehauptung 5:
ADHS hat viele „Begleitstörungen“, wie Depression, Tourette, Bulimie, Tics, Sucht, Autismus, Asperger, LRS etc. etc.
Richtigstellung: In Wahrheit ist es umgekehrt: All diese unterschiedlichen Störungen können Symptome von Unruhe/Impulsivität und Unkonzentriertheit verursachen.

Falschbehauptung 6:
ADHS ist eine Fehlfunktion des Gehirns
Richtigstellung: Alle bisher gefundenen angeblichen zerebralen Ursachen oder Spezifitäten von ADHS können Folgen unterschiedlicher Hirnnutzungsbedingungen sein, sie können ADHS nicht kausal erklären und begründen. Anders formuliert: Wenn Londoner Taxifahrer ein anderes Gehirn haben als ein britischer Landwirt, beweist das nicht eine LTD (Londoner Taxifahrer-Krankheit), sondern die Komplexität des Londoner Straßensystems.

Falschbehauptung 7:
ADHS hat es immer schon gegeben, früher hieß es nur z.B. MCD oder POS.
Richtigstellung: Es gab natürlich immer schon mehr oder weniger unruhige, unkonzentrierte Kinder und Erwachsene sowie epochal unterschiedliche Bewertungen solchen Verhaltens. Es gab auch immer schon kindliche Entwicklungsverzögerungen oder -störungen. Aber aus all dem ein einheitliches „ADHS“ zu machen, bedeutet, eine Krankheit zu erfinden, ein zum Wohle der Ärzte und der Pharmaindustrie fabriziertes Konstrukt zu basteln.

(Falschbehauptung 8:
ADHS gibt es. Der Beweis: Ich habe es!
Richtigstellung: Der Glaube ist des Menschen Himmelreich).

WIE ADHS ENTSTEHT (2)

Von Hans-Reinhard Schmidt

Der amerikanische Psychologe Prof. Stephen Vincent Faraone gilt als einer der führenden Forscher zur Genetik psychiatrischer Störungen. Er behauptet kühn, es sei „Tatsache: Eltern verursachen keine ADHS“ (1). Diese Falschbehauptung und vieles andere, was er an der zitierten Stelle sagt, sind unseriöse wissenschaftliche Fakes eines Forschers, der  von den Pharmafirmen Shire, Rhodes, KenPharm, McNeil, Janssen, Pfizer, Eli Lilly, Sunovion, Ironshore und Novartis privates Geld erhalten  hat.

Faraone blendet Untersuchungen über die familiäre Entstehung von „ADHS“ einfach aus. Eine solche Untersuchung stammt zum Beispiel von Carlson u.a. und ist eine der wenigen ihrer Art, im Vergleich zu zehntausenden bisherigen Untersuchungen, in denen vergeblich effektive organisch-genetische Ursachen gesucht wurden. Obwohl sie schon 25 Jahre alt ist, hat sie nichts von ihrer Bedeutung verloren (2).

Man hat 191 Kleinkinder (ab dem Alter von 6 Monaten) zu einem Zeitpunkt, als sie noch unauffällig waren und keine Verhaltensstörungen aufwiesen, 14 Jahre lang alle 6 Monate gründlich körperlich und psychologisch untersucht. Die Studie wurde in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts begonnen und 1995 veröffentlicht. Dieses aufwendige methodische Vorgehen ist deshalb so aussagekräftig, weil nur prospektive Studien dieser Art Aussagen über Ursachen und Folgen bestimmter Beobachtungen (hier „ADHS“) zulassen.

Die Forscher fanden heraus, dass vor allem Familienkriterien eine Voraussage zulassen, ob Kinder „ADHS“ entwickeln werden oder nicht. „In der frühen Kindheit ließ die elterliche Zuwendung sehr viel deutlichere Voraussagen auf frühe Ablenkbarkeit (einem Vorläufer späterer Hyperaktivität) zu, als frühe biologische oder (eher genetisch bedingte) Temperamentsfaktoren. Elterliche Zuwendung und familiäre Kontextfaktoren (wie eheliche Geburt, Ausmaß der emotionalen Zuwendung, die die primäre Bezugsperson des Kindes erhielt, etc.) plus frühe Ablenkbarkeit ließen eine zuverlässige Vorhersage auf Hyperaktivität in der mittleren Kindheit zu (2).“

Eine aktuelle, ebenfalls prospektive amerikanische Studie bestätigt nun dieses Ergebnis. Miller, NV u. a. untersuchten über 9 Jahre hinweg, welche Auswirkungen das mütterliche Betreuungsverhalten bei temperamentvollen Babies auf eine spätere „ADHS“ hatte. Temperamentvolle Babies zeigen später häufiger „ADHS“, aber in Abhängigkeit vom mütterlichen Betreuungsverhalten: nur bei mangelhaftem mütterlichen Betreuungsverhalten zeigte sich dieser Zusammenhang. Bei positivem mütterlichen Betreuungsverhalten zeigte sich dieser Zusammenhang nicht.

Mütterliches Betreuungsverhalten entschied also darüber, ob temperamentvolle Babies später „ADHS“ hatten.
Jetzt Du, Stephen Vincent!

ES IST DIE ADHS, DUMMKOPF

(in Anlehnung an die Aussage Bill Clinton´s 1992: “ It´s the economy, stupid“)

Von Hans-Reinhard Schmidt

Was man so alles beim ADHS-Lobbyverein „ADHS Deutschland“ (mit nicht-deklarierten Pharma-Interessenkonflikten einiger seiner Mitarbeiter) lesen muss, geht bekanntlich auf keine Kuhhaut. Das dort gepflegte engstirnige ADHS-Weltbild lässt sich kurz so zusammenfassen: Hinter allem steckt die genetisch bedingte ADHS! Erfahrungen, psychosoziale Lernprozesse, familiäre Prägungen? Spielen kausal keinerlei Rolle.

So liest man, dass es sich bei der ADHS um eine neurobiologische Störung der Gehirnfunktion handele, obwohl diese Behauptung einem wissenschaftlichen Faktencheck nicht standhält. Zugleich belege die Häufung von ADHS unter Verwandten, dass die ADHS eine genetische Komponente habe, obwohl man diese Häufung auch als erfahrungsbedingt erklären kann. Leide ein Elternteil selbst an der ADHS, so habe das Auswirkungen auf das Erziehungsverhalten, obwohl dies ebenfalls als generationsübergreifend erfahrungsbedingt und keineswegs im Sinne einer genetischen Vererbung erklärt werden kann. Besonders peinlich bei all den völlig einseitigen und nicht belegten Behauptungen ist, dass sich dieser Verein stets mit seiner wissenschaftlichen Fundierung brüstet. Wenn das Wissenschaft sein soll, was dort propagiert wird, dann bringt der Storch die Kinder, weil die Geburtenrate im Frühjahr steigt.

Ein Beispiel für die umwelt- bzw. erziehungsbedingte Ursache von „ADHS“ ist der Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und den sog. „ADHS-Symptomen“ des Kindes. In einer aktuellen Studie konnten Kyoung Min Kim u. a. zeigen, dass die Kinder besonders junger, aber auch besonders alter Eltern häufiger „ADHS“-Symptome entwickelten als die Kinder „normal alter“ Eltern. Mit Genetik lässt sich dies kaum erklären, auch nicht damit, dass etwa ungünstige erzieherische Einflüsse eine eigentlich genetisch angelegte ADHS nur verschlimmern. Vielmehr bestätigt sich hier wieder einmal, was man aus vielen anderen Untersuchungen seit Langem weiß: Verhaltensstörungen bei Kindern sind wesentlich erfahrungs- bzw. erziehungsbedingt.

Das wird der Lobbyverein natürlich wieder so hinbiegen, dass es Eltern scheinbar beruhigt und ins biologistische Weltbild passt.

http://www.adhs-deutschland.de/…/4_e…/Broschuere_3.pdf
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32979694/