DIE VERDRÄNGUNG DER PSYCHE

LIEBER KRANK ALS UNGLÜCKLICH?

Dieser Tage bezeichnet ein Artikel im Handelsblatt „ADHS“ als psychische Störung (1), woraufhin viele angeblich Betroffene im Internet sogleich empört reagieren und behaupten, ADHS sei eine „neurologische“ Störung, eine andere „Hirnstruktur“, eine „Neurodiversität“, ein „Dopaminmangel“ im Gehirn, aber auf keinen Fall eine psychische. Man hat offensichtlich lieber kranke Kinder (und Erwachsene), als unglückliche (2).

Hier zeigt sich erneut die vorherrschende biologistische Sicht auf „ADHS“, die fast ausschließlich körperliche Ursachen behauptet und sucht, aber menschliche Erfahrungen und Umwelteinflüsse notorisch ausblendet. Wenn von psychischen Ursachen und Einflüssen die Rede ist, fühlen sich Menschen sofort schuldig an ihrem Leid, von Anderen nicht ernst genommen und in ihre Selbstverantwortung verwiesen. Das mag man eben nicht so gern wie das Narrativ von ADHS als angeborener Hirnfunktionsstörung, die mit „Ritalin“ (Methylphenidat) behandelbar sei. Das ist dann eben medizinisches Schicksal, aber keine persönliche Schuld.

Die wissenschaftliche Faktenlage interessiert dabei kaum. Immerhin hat man in Jahrzehnten teurer Forschung bisher keinerlei zuverlässige oder brauchbare Biomarker für ADHS gefunden, die Ätiologie ist nach wie vor unklar. Auch die späte Aussage des US-Psychiaters Leon Eisenberg, eines der prominentesten ADHS-Promotors, der maßgeblich für den Siegeszug von ADHS durch die internationalen Diagnosekataloge gesorgt hat, dass ADHS nämlich ein „Paradebeispiel für eine fabrizierte Krankheit“ sei, bleibt heute ignoriert (3).

Der Niederländische Professor Stephan Schleim sagt dazu: „Nicht ohne Grund scheiterte ja das Großprojekt der amerikanischen Psychiater, die Diagnosen ihres DSM-5 von 2013 auf ein neurobiologisches Fundament zu stellen: Für keine der mehreren Hundert darin unterschiedenen psychischen Störungen ließ sich auch nur ein einziges biologisches Diagnosemerkmal anführen, obwohl man seit über 170 Jahren danach sucht“. Stattdessen waren die Effekte psychosozialer Einflussfaktoren z.B. auf die Depression bis zu 8,5mal größer als alle bisher gefundenen genetischen (4).

Der Neurowissenschaftler Joachim Bauer hat schon vor mehr als 10 Jahren gezeigt, was es mit der Epigenetik, der Wissenschaft vom Einfluss von Umweltfaktoren auf unsere Gene, auf sich hat (5). Zusammenhänge zwischen Genen und ADHS können eben auch aus Umwelteinflüssen resultieren.

Solange die gegenwärtige ADHS-Forschung dies weiterhin ausblendet, bleibt sie für die Menschen ergebnislos.

(1) Handelsblatt https://tinyurl.com/3ctsnxhk

(2) Matthias Wenke https://tinyurl.com/4ydbmtr8

(3) Jörg Blech https://tinyurl.com/3zpr7xdb

(4) Stephan Schleim https://tinyurl.com/2j39x4s8

(5) Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. Piper 2013

BITTERE PILLEN

Kennen Sie das dicke Buch „Bittere Pillen“ von Langbein, Martin und Weiss? „Die Bibel zur Verhinderung von Arzneimittelmissbrauch für Laien – ein Meisterwerk im Bereich der allgemein verständlichen Darstellung“ schreibt DER SPIEGEL. Oder: „Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für den kritischen Verbraucher“ sagt die Badische Zeitung. Dieser mehr als 1000 Seite starke Wälzer mit kritischer Beurteilung von über 4600 Medikamenten erscheint seit 1983 alle 3 Jahre in wissenschaftlich aktualisierter Überarbeitung.

Uns interessiert natürlich, was man dort über „Ritalin“ schreibt: „Eine Verwendung ist nur nach einer gründlichen körperlichen, neurologischen und psychologischen Untersuchung sinnvoll – in Zusammenarbeit mit Eltern und Schule… Eine im Jahr 2007 veröffentlichte US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass solche Mittel über einen Zeitraum von 3 Jahren keinen Nutzen bringen und das Verhalten der Kinder nicht verbessern“ (Bittere Pillen 2017, S. 108).

Neben der Aufzählung vieler Nebenwirkungen von Nervosität, erhöhtem Suizidrisiko, bei Erwachsenen Sucht, über Appetitverlust bis Wachstumshemmung wird von einer unkontrollierten Langzeitbehandlung abgeraten, auch die Kurzzeitbehandlung bei kindlichen Verhaltensstörungen wie ADHS sei umstritten…eine gleichzeitige psychotherapeutische Begleitung sei unverzichtbar (Bittere Pillen 2017, S.113).

Was den letzten Punkt betrifft, ist es im gegenwärtigen Alltag genau umgekehrt: „Ritalin“ vermeidet in der Regel eine gleichzeitige Psychotherapie. Psychotherapie würde den Pillenumsatz stark reduzieren, und das will BigPharma natürlich gar nicht.

Quelle:
Langbein/Martin/Weiss: Bittere Pillen. Kiepenheuer&Witsch 2014.

KRAUSES ZEUG

SIGMUND FREUD UND DIE ADHS

Wussten Sie schon, dass Sigmund Freud mehr über ADHS gewusst hat als all seine Schüler und Nachfolger? Wenn Sie ein einigermaßen kundiger Psychoanalyse-Anhänger sind, dann stutzen Sie jetzt sicherlich, gibt es doch von Anfang an einen grundsätzlichen Dissens zwischen Psychoanalyse und ADHS. Während die Psychoanalyse die psychischen Verarbeitungsmechanismen menschlicher Erfahrungen thematisiert, beharrt die ADHS-Forschung nach wie vor auf einer kausal genetischen, also erfahrungsunabhängigen Verursachung. Und der gute alte Sigmund habe dies angeblich schon vorhergesehen. Soll man das wirklich glauben?

Das Ehepaar Drs. Johanna und Klaus-Henning Krause, er Neurologie-Professor, sie Fachärztin und Psychoanalytikerin, will uns dies jedenfalls glauben machen (1). Die beiden zitieren einige Textstellen von Freud, die angeblich belegen, dass er die körperlich begründete ADHS bereits gekannt habe. Als Hauptbeleg wird folgendes Freud-Zitat angeführt:

Es gibt Menschen, die man als allgemein vergeßlich bezeichnet und darum in ähnlicher Weise als entschuldigt gelten läßt wie etwa den Kurzsichtigen, wenn er auf der Straße nicht grüßt. Diese Personen vergessen alle kleine Versprechungen, die sie gegeben, lassen alle Aufträge unausgeführt, die sie empfangen haben, erweisen sich also in kleinen Dingen als unverläßlich und erheben dabei die Forderung, daß man ihnen diese kleineren Verstöße nicht übel nehmen, d. h. nicht durch ihren Charakter erklären, sondern auf organische Eigentümlichkeit zurückführen solle. Ich gehöre selbst nicht zu diesen Leuten und habe keine Gelegenheit gehabt, die Handlungen einer solchen Person zu analysieren, um durch die Auswahl des Vergessens die Motivierung desselben aufzudecken.“ (2, S.173).

Dieses Zitat wird von den Autoren als Beleg dafür herangezogen, dass Freud „in geradezu seherischer Weise“ die „organische Eigentümlichkeit“ von ADHS erkannt habe (1, S. 62). Bei genauem Lesen des Zitats meint Freud aber natürlich genau das Gegenteil. Er beschreibt nämlich einen Abwehrmechanismus mancher Menschen, die ihre neurotische Eigenart (Vergesslichkeit, Unzuverlässigkeit) lieber als eine organische Eigentümlichkeit denn als Neurose entschuldigt haben möchten. Freud kennt diesen Abwehrmechanismus bei sich selber nicht und geht im Übrigen davon aus, dass er unbewusst motiviert ist. Primär organische Syndrome als unbewusst motiviert zu betrachten, wie man Krause und Krause folgend annehmen müsste, wäre ja ein psychoanalytisches Unding. Nicht grundlos stammt das Freud-Zitat aus der „Psychopathologie des Alltagslebens“ mit dem Untertitel „Über Versprechen, Vergessen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum“. Damit meinte Freud keineswegs organische Krankheiten.

Freud hat etwas ganz anderes gemeint: Die Neigung mancher Menschen, ihre seelischen Konflikte zu rationalisieren, zu somatisieren oder (wie man heute sagen würde) zu biologisieren. Und damit hat er tatsächlich „in seherischer Weise“ den grundlegenden Abwehrcharakter solcher Konstrukte wie ADHS trefflich beschrieben.

Dass Freud konstitutionelle (heute sagen wir: genetische) Faktoren nie verkannte, obwohl er die Bedeutung der Erfahrungen eines Menschen so betonte, ist klar. Aber dass er solche Phänomene wie Epigenetik bzw. Genexpression bereits vor nun fast 100 Jahren erkannte, wird in diesem Zitat deutlich:

„Verwahren wir uns an dieser Stelle gegen den mißverständlichen Vorwurf, als hätten wir die Bedeutung der angeborenen (konstitutionellen) Momente geleugnet, weil wir die der infantilen Eindrücke hervorgehoben haben. Ein solcher Vorwurf stammt aus der Enge des Kausalbedürfnisses der Menschen, welches sich im Gegensatz zur gewöhnlichen Gestaltung der Realität mit einem einzelnen verursachenden Moment zufrieden geben will. Die Psychoanalyse hat über die akzidentellen Faktoren der Ätiologie viel, über die konstitutionellen wenig geäußert, aber nur darum, weil sie zu den ersteren etwas Neues beibringen konnte, über die letzteren hingegen zunächst nicht mehr wußte, als man sonst weiß. Wir lehnen es ab, einen prinzipiellen Gegensatz zwischen beiden Reihen von ätiologischen Momenten zu statuieren; wir nehmen vielmehr ein regelmäßiges Zusammenwirken beider zur Hervorbringung des beobachteten Effekts an. Beide bestimmen das Schicksal eines Menschen; selten, vielleicht niemals, eine dieser Mächte allein. Die Aufteilung der ätiologischen Wirksamkeit zwischen den beiden wird sich nur individuell und im einzelnen vollziehen lassen. Die Reihe, in welcher sich wechselnde Größen der beiden Faktoren zusammensetzen, wird gewiss auch ihre extremen Fälle haben. Je nach dem Stande unserer Erkenntnis werden wir den Anteil der Konstitution oder des Erlebens im Einzelfalle anders einschätzen und das Recht behalten, mit der Veränderung unserer Einsichten unser Urteil zu modifizieren. Übrigens könnte man es wagen, die Konstitution selbst aufzufassen als den Niederschlag aus den akzidentellen Einwirkungen auf die unendllich große Reihe der Ahnen.“ (3).

(1) Krause, J., Krause, K.-H.: ADHS im Erwachsenenalter: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen. Schattauer 2009
(2) Freud, S.: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Ges. W. Bd. 4, Fischer 1961
(3) Freud, S.: Zur Dynamik der Übertragung. Ges. W. Bad. 8, Fischer 1961

DIE ADHS UND DER SCHNAPS

DIE ADHS UND DER SCHNAPS

Als wir in Antalya in Urlaub waren, trafen sich immer abends die einheimischen Moslems in einer Gartenwirtschaft zum Raki-Trinken, was immer sehr lustig und gesellig war. Als wir anfragten, wie sich dies mit dem Alkoholverbot im Islam vertrüge, wurden wir aufgeklärt, dass es sich hier um eine Therapiesitzung handele, und als Therapeutikum sei Alkohol natürlich erlaubt.
 
Das erinnert daran, dass Enten und Biber im Mittelalter kurzerhand zu Fischen erklärt wurden, damit man in der Fastenzeit weiter Fleisch essen durfte. Auch bei den schwäbischen Maultaschen wurde das Fleisch einfach im Teig versteckt, weshalb Maultaschen auch Herrgotts-Bscheißerle genannt wurden.

Und in unseren Zeiten erklärt man Psychodrogen wie Ritalin als Medizin gegen eine ausgedachte Krankheit. Um Amphetaminderivate legal konsumieren zu können, erklärt man sie einfach zur Medizin.

So schlitzohrig wie die Kranken in Antalya. Serefe!


NEURODIVERSITÄT: EINE NEUE KRANKHEIT?

Kennen Sie die alte Lebensweisheit der Kölner: Jeder Jeck ist anders? Kein Neurowissenschaftler hat das herausgefunden, sondern einfach Kölner Jecken, also alle Kölner.

Derzeit rollt die Neurodiversitätswelle durchs Internet, derzufolge Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS keine spezifische Krankheit sein sollen, sondern lediglich Normvarianten normalen Verhaltens. Das finden wir grundsätzlich fortschrittlich, obwohl es natürlich nichts wirklich Neues darstellt und auch von uns schon immer so propagiert wurde, solange nicht eine tatsächliche medizinische Krankheit hinter der unspezifischen Symptomatik steckt. Psychiatrische Diagnosen sind schließlich keine medizinischen Krankheiten, sondern soziale Konstrukte, und die kann man jederzeit anpassen oder abschaffen.

Aber warum wird dieser Ansatz sofort wieder so kategorisiert, als gäbe es nun die Neurodiversen neben den „Neurotypischen“? Warum wird es wieder so schwarzweiß, wenn es um Diverses, also bunte Vielfalt gehen soll? Warum wird wieder behauptet, bei Neurodiversität „ticke“ das Gehirn anders als beim „Normalo“? Ist Neurodiversität also nur wieder eine neue Krankheit?

Nein, wer es ernst meint mit „Neurodiversität“, sollte diesen monströsen, pseudowissenschaftlichen Begriff gleich wieder vergessen. Es gibt nicht Neurodiverse versus Normalos. Kein menschliches Gehirn „tickt anders“, denn es gibt keine zwei identischen menschlichen Gehirne auf der ganzen Welt.

Unser Vorschlag ist ganz einfach: Bleiben wir bei Verhaltensbeschreibungen, analysieren wir die dahinterliegenden menschlichen Motive und Biografien, nicht nur, wenn Menschen psychisch leiden, sondern auch im Sinne einer hilfreichen Selbsterkenntnis. Diagnosen brauchen wir dabei ganz selten.

ADHS: WAS SOLL DAS SEIN?

Obwohl ADHS als neurobiologische Störung dargestellt wird, gibt es nach wie vor keine objektiven und spezifischen diagnostischen Kriterien (Biomarker) zu ihrer Diagnostik und Ätiologie. Dieses Faktum wird denn auch in Fachkreisen gerne verschwiegen oder vernebelt, denn es lässt natürlich erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass es sich bei ADHS wirklich um eine spezifische körperliche Krankheit handelt.

Ein internationales Wissenschaftlerteam um Valeria Parlatini, King`s College London, hat sich jetzt erneut mit dem Wissensstand beschäftigt und kommt zum Ergebnis, dass trotz eines umfassenden Überblicks über Forschungsstudien zu möglichen diagnostischen Biomarkern bei ADHS, die genetische/epigenetische, biochemische, bildgebende, neurophysiologische und neuropsychologische Techniken einschließen, keine vielversprechenden Biomarker identifiziert werden können. Methodische Schwächen der bisherigen Studien, aber vor allem das unspezifische, heterogene klinische und biologische Störungsbild der ADHS machen es unmöglich, spezifische Biomarker zu finden.

Kein Wunder, sagen wir erneut, denn es gibt eben gar keine spezifische neurobiologische Störung ADHS. Wie sollte man da auch spezifische Biomarker finden?

Wann werden die Forscher diese Erkenntnis endlich akzeptieren?

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38506617

SEHEN SIE? GILLIAN IST NICHT KRANK! SIE IST TÄNZERIN!

Gillian ist ein siebenjähriges Mädchen, das in der Schule nicht stillsitzen kann. Sie steht ständig auf, lässt sich ablenken, schwirrt vor Gedanken und folgt dem Unterricht nicht. Ihre Lehrer machen sich Sorgen um sie, bestrafen sie, schimpfen mit ihr, belohnen die wenigen Male, in denen sie aufmerksam ist, aber nichts hilft.

Gillian kann nicht stillsitzen und kann nicht aufmerksam sein. Als sie nach Hause kommt, wird sie auch von ihrer Mutter bestraft. Gillian hat also nicht nur schlechte Noten und Strafen in der Schule, sondern leidet auch zu Hause darunter.

Eines Tages wird Gillians Mutter zur Schule gerufen.

Die Lehrer sprechen von Krankheit, von einer offensichtlichen Störung. Vielleicht ist es Hyperaktivität oder vielleicht braucht sie ein Medikament.

Während des Interviews trifft ein alter Lehrer ein, der das kleine Mädchen kennt. Er bittet alle Erwachsenen, Mutter und Kollegen, ihm in einen Nebenraum zu folgen, von wo aus sie noch zu sehen ist. Als er geht, sagt er Gillian, dass sie bald zurück sein werden; und schaltet ein altes Radio mit Musik ein. Als das Mädchen allein im Raum ist, steht es sofort auf und beginnt sich auf und ab zu bewegen und mit seinen Füßen und seinem Herzen der Musik nachzujagen. Der Lehrer lächelt, während die Kollegen und die Mutter ihn verwirrt und mitfühlend ansehen, wie es bei alten Menschen oft der Fall ist. Also sagt er:

„Sehen Sie? Gillian ist nicht krank, Gillian ist Tänzerin!“

Er empfiehlt ihrer Mutter, sie zu einem Tanzkurs anzumelden, und ihren Kollegen, sie von Zeit zu Zeit tanzen zu lassen.

Gillian besucht ihre erste Tanzstunde, und als sie nach Hause kommt, sagt sie zu ihrer Mutter: „Jeder ist wie ich, keiner kann dort stillsitzen!“

Nach einer Karriere als Tänzerin, der Eröffnung ihrer eigenen Tanzakademie und internationalen Anerkennung für ihre Kunst wurde Gillian Lynne 1981 Choreografin des Musicals „Cats“.

Hoffentlich finden alle „anderen“ Kinder Erwachsene, die sie so willkommen heißen können, wie sie sind, und nicht danach beurteilen, was ihnen fehlt.

Es leben die Unterschiede, die kleinen schwarzen Schafe und die Missverstandenen. Sie sind diejenigen, die Schönheit in dieser Welt erschaffen.

Quelle: Whispers of Soul. Übersetzung: Café Holunder 2023

SIE RUFEN MICH „FETTI“

Der ADHS-Lobbyverein ADHS Deutschland findet es „eine gute Veröffentlichung“ der bekannten ADHS-Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Kirsten Stollhoff zum Thema „Übersehene Mädchen“. Wir aber finden, es ist ein sehr trauriges Beispiel für die wirklich armselige und seelenlose Diagnostik bei „ADHS“.

Es geht um ein essgestörtes, übergewichtiges Mädchen, das von Kleinauf zu viel gegessen hat und jeden Tag zu viel isst, obwohl es sich regelmäßig das Gegenteil vornehme, wird berichtet. Mit ihrem Bodymaß-Index von 47 werde es als „Fetti“ gemobbt, getraue sich nicht mehr, schwimmen zu gehen, und wolle kaum noch das Haus verlassen, aus Angst, ausgelacht zu werden.

Und was folgt als Diagnose? „Impulskontrollstörung“, angeboren und typisch für ADHS! Überhaupt stecke ADHS hinter vielen anderen Verhaltensstörungen, von der Depression über Essstörungen bis zu psychosozialen Ängsten. Alles sei im Grunde ADHS. Dass diese Kausalität noch nie wissenschaftlich belegt wurde, stört dabei nicht. Wie armselig ist das denn?! Es ist nur Ideologie.

Dass psychische Ursachen eine wesentliche kausale Rolle bei Essstörungen spielen, wird –wie immer bei „ADHS“- ignoriert. Mag. Dr. Manfred Hofferer und Dr. med. Heinz Fölkl schreiben dazu im Familienhandbuch:

„Kontakt und Kommunikation – als Repräsentanten seelischer Ernährung – sind nicht nur im frühen Säuglingsalter für das Kleinkind lebenswichtig. Der Kontakt und die Kommunikation zwischen den Personen ist für das Kind ebenso wichtig wie die leibliche Ernährung. Demnach ist Kommunikation seelische Ernährung. Ob genügend “Nahrung” vorhanden ist oder gar eine dauernde Übersättigung und Überfütterung, oder ob sie nur mangelhaft zur Verfügung steht, sind im Zusammenhang mit Essstörungen wichtige Themen, da sie im besonderen ihre Wurzeln in der oralen Phase haben (die orale Lebensphase beginnt mit der Geburt und dauert bis zum Ende des ersten Lebensjahrs).

“Essstörungen” gibt es auch im Bereich der emotionellen Ernährung: die völlige Verweigerung, emotionelle Zuwendung anzunehmen als Extrem auf der einen Seite, die Unersättlichkeit an emotioneller Zuwendung, das hungrig-gierige Suchen nach Unterstützung auf der andern Seite“.

Essstörungen also als Ersatzbefriedigung von psychischem Hunger. Menschen essen nicht nur dann, wenn sie hungrig sind, sondern aus Einsamkeit, Frust, Langeweile, Trauma, Stress, Körperkontaktstörung, etc. Das sogenannte Emotionale Essen wird zur Ersatzbefriedigung, um sich psychisch besser zu fühlen.

Aber wen interessiert bei „ADHS“ schon das Seelenleben?

https://www.familienhandbuch.de/…/wennessenzumproblemwi…

RITALIN VERÄNDERT DAS SKELETT

Seit Langem gibt es eine Auseinandersetzung um die Frage, ob Stimulanzien und Amphetamine wie Ritalin die Knochenmineraldichte und den Knochenmineralgehalt bei Kindern verringern, was langfristig schädliche Auswirkungen auf die Skelettgesundheit haben kann.

Ein Forscherteam um Christopher Burns von der Abteilung für Kieferorthopädie und dentofaziale Orthopädie, Eastman Institute for Oral Health, University of Rochester, NY, USA ging dieser Frage nun in einer Metaanalyse nach. Die Forscher stellen zunächst fest, dass das Längenwachstum bei Kindern mit einem Anstieg der Knochenmineraldichte und des Knochenumsatzes einhergeht.

Aber wie eine Studie von Holtkamp et. al. gezeigt habe, haben psychostimulierende Medikamente wie Methylphenidat einen nahezu vollständigen Wachstumsstopp verursachen können, indem sie die Konzentration hormonabhängiger Wachstumsfaktoren verringern. In anderen Studien fand man einen Einfluss der Medikamente auf die Entstehung einer Magersucht und auf das Schilddrüsenhormon, eine verringerte Breite der Unterkieferrinde sowie verschiedene Veränderungen der Lendenwirbelsäule, des Oberschenkelhalses und des gesamten Femurs.

In ihrer Metanalyse bei Kindern zwischen 7,3 bis 13,75 Jahren fanden die Forscher um Christopher Burns in 80% der herangezogenen Studien deutliche Veränderungen der Knochensubstanz der medikamentierten Kinder.

Obwohl es auch einige Studien gibt, die dies so nicht bestätigen, ist dieser Befund insgesamt dennoch unbestreitbar und besorgniserregend.

https://www.sciencedirect.com/…/pii/S8756328223003150…

ADHS: DIE LETZTE TÜR

SYMPTOME VERSTEHEN

Der in ADHS-Kreisen bekannte Psychiater Dr. Martin Winkler erzählt in einem Vortrag in gewohnt flapsiger Weise von einem seiner Patienten, der die Wände seines Zimmers bis auf die letzte getüncht habe, aber es nicht schaffte, die auch noch zu tünchen. Aus ADHS-Sicht ist es eindeutig: ADHS und Prokrastination, angeboren und unheilbar, eine Hirnstörung der Exekutivfunktionen, aber mit Pillen gut behandelbar. Man muss jetzt nur noch den Patienten dazu kriegen – notfalls mittels Psychopharmaka -, dass er die letzte Zimmerwand auch noch tüncht.

So schlicht macht man es sich in der ADHS-Welt. Menschliches Verhalten wird irgendwelchen Syndromen oder vorgeblichen psychiatrischen Krankheiten zugeordnet, die im ICD oder DSM katalogisiert sind – oder auch nicht. Aber verstanden wird es nicht.

Verhalten zu kategorisieren ist natürlich grundsätzlich hilfreich, aber nur ein erster Schritt, es auch zu verstehen. Wenn der zweite Schritt nicht gegangen wird, bleibt es unverständlich. Der Mensch wird und fühlt sich unverstanden, in Störungskategorien einsortiert und abserviert. Wirkliche Heilung wird so unmöglich.

Der Fokus der Psychoanalyse liegt dagegen im lebensgeschichtlichen Verstehen der Motive eines Menschen. Wenn es gelingt, gemeinsam mit einem Menschen die (unbewusste) Motivation seines Verhaltens zu hinterfragen und zu verstehen, kann Neuorientierung und psychische Gesundung geschehen.

Ich hatte einmal einen Patienten, der dem von Dr. Winkler sehr ähnelte. Er hatte alle Innentüren seiner Wohnung neu gestrichen, bis auf eine, und er konnte sich monatelang nicht aufraffen, die auch noch zu streichen. Aber nicht aus diesem Grunde hatte er eine Psychotherapie begonnen, sondern wegen quälender Angstgefühle, die ihn sei Jahren plagten.

Das Geheimnis der ungestrichenen Tür entschlüsselte sich im Verlauf der tiefenpsychologischen Psychotherapie als eine tiefverzweifelte Depression mit Selbsttötungswünschen. Die letzte Tür zu streichen stand unbewusst für den abgewehrten Wunsch, Schluss zu machen, sprich: sich umzubringen. Als das bewusst war, konnten die Hintergründe der Suizidwünsche weiter verstanden und aufgelöst werden. Ganz nebensächlich berichtete der Patient von der letzten gestrichenen Tür, bevor er weiter daran arbeitete, wie er wieder emotionalen Zugang zu seinem geliebten Sohn finden könnte, den er seit der Scheidung so schmerzlich verloren hatte.

Das psychoanalytische Konzept der Abwehrmechanismen bzw. Ersatzmotive (Toman) hilft, Verhalten zu verstehen und zu ändern. Wenn Sie sich näher mit diesem Konzept befassen wollen, können Sie gleich hier einsteigen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Abwehrmechanismus