KEINE EINIGKEIT BEI DER DREIEINIGKEIT

ADHS-ABERGLAUBE 39:
EINIGKEIT BEI DER DREIEINIGKEIT ?

Aufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität: das sind die bekannten 3 Heiligen aus dem ADHS-Land. Wir haben uns schon öfter darüber ausgelassen, wie vieldeutig und unscharf diese angeblichen Kernsymptome definiert und gemessen werden, wie unzuverlässig und willkürlich die auf sie gründende ADHS-Diagnose daherkommt. Ganz zu schweigen von der völlig ungeklärten Frage, was dabei gemessen wird: unspezifisches, situatives und psychogenes Verhalten oder eine veritable medizinische Krankheit?

Aber auch weitere Fragen bleiben bisher unbeantwortet: Wer hat sich eigentlich diese syndromatische Dreieinigkeit ausgedacht? Warum gerade diese Verhaltensweisen, warum gerade deren drei? Und besteht überhaupt Einigkeit über diese Dreieinigkeit?

Keineswegs! Nicht einmal die Kernfrage ist klar, ob diese 3 Symptombereiche wirklich ein Syndrom, noch dazu ein ADHS-Spezifisches, bilden, oder ob sie für ganz unterschiedliche Störungen bzw. Krankheiten stehen.

Noch unklarer wird es, wenn man das Konzept der angeblichen Subtypen von ADHS betrachtet. In den gebräuchlichen Diagnosekatalogen ICD10 und im DSM5 werden unterschiedliche Subtypen aufgeführt. Im DSM5, der sich auch bei uns immer mehr durchsetzt, wird zwischen dem ADHS-Mischtyp, dem vorwiegend unaufmerksamen ADHS-Typ und dem vorwiegend hyperaktiv-impulsiven ADHS-Typ unterschieden.

Bernfeld, J. betont, dass es trotz umfangreicher Forschung nur wenige Hinweise auf die diagnostische Validität dieser drei Subtypen gibt. Lahey u.a. finden, dass die Subtypen instabil sind und bei der Einzeldiagnostik wenig Sinn machen. Diamant, A. bezweifelt, dass ADHS ohne Hyperaktivität (das „Träumerle“) überhaupt ein Subtyp von ADHS ist. Es sei vielmehr eine andere Störung als ADHS, sowohl hinsichtlich der Ätiologie, der typischen Verhaltensweisen, der Komorbiditäten und der medikamentösen Behandlung. Adams u.a. greifen dies erneut auf und regen entsprechende weitere Forschungen an.

Riley u.a. finden keinen wesentlichen Unterschied in der Funktionsbeeinträchtigung zwischen Kindern mit der Mischtyp-Diagnose und solchen von vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Subtyp. Parke EM u.a. finden, dass es Sinn mache, bei ADHS auch die Impulsivität zu berücksichtigen, nicht nur Hyperaktivität und Aufmerksamkeit.

Willcutt u.a. stellen in einer Metaanalyse von 546 einschlägigen Studien fest, dass man Kinder zwar in Hyperaktivität, Aufmerksamkeit und Impulsivität unterscheiden kann (wer hätte das bezweifelt?), kommen aber zu dem Schluss, dass man keine einzelnen Subgruppen mit ausreichender Langzeitstabilität identifizieren kann, die eine Klassifizierung von verschiedenen Subtypen der ADHS rechtfertigen können.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=bernfeld+adhd
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16061767
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18454040
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25915789
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22612200
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16262993…
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19072751…

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