DIE JÜNGSTEN HABEN ÖFTER ADHS?

Stephan Schleims Kritik an ADHS

Der stärkste belegte Faktor für das Erhalten einer ADHS-Diagnose eines Kindes ist das Lebensalter bei seiner Einschulung. Der niederländische Psychologieprofessor Stephan Schleim sieht die zunehmende Zahl von Diagnosen sehr kritisch.

„Und es gibt, das muss man klar festhalten, auch das Ziel der Pharmaindustrie, möglichst viele Medikamente zu verkaufen. Allein in Deutschland nehmen inzwischen fünf Millionen Menschen täglich Psychopharmaka gegen Depressionen. Für weitere knapp zwei Millionen gibt es Präparate wie Methylphenidat (bekannt unter dem Markennamen „Ritalin“, Anm. d. Red.) gegen ADHS oder Neuroleptika“, sagt der Professor hier im Interview. Obwohl Psychiater behaupten, ADHS sei eine Hirnfunktionsstörung, habe man diese bisher gar nicht entdeckt. Die viel behauptete Dopaminmangel-Theorie als Ursache sei nicht belegt.

„Viele Kinder benehmen sich nicht wie gewünscht. Gibt man denen ein Mittel wie Methylphenidat, das den Dopaminspiegel erhöht, verhalten sich viele von ihnen „besser“. Manche Fachleute folgern daraus vorschnell, dass Menschen mit einer ADHS-Diagnose unter einer Dopaminstörung leiden würden“, so Schleim weiter. „Wenn Sie in eine Bar gehen, um jemanden kennenzulernen, und nach ein paar Drinks weniger verlegen sind als zuvor, dann heißt das doch nicht, dass Sie sonst an einem Alkoholmangel im Gehirn leiden, der Schüchternheit auslöst.“

Auch die ständige Behauptung, ADHS sei bis zu 80 % genetisch bedingt, könne man sofort wieder vergessen. Die Jüngsten des jeweiligen Jahrgangs erhalten die Diagnose am häufigsten. Nach Schleims Erachten werde hier normale Kindlichkeit pathologisiert, also für krank erklärt – und zwar bei Kindern!

Die mittlerweile bekannten wissenschaftlichen Genstudien mit Hunderttausenden bis Millionen Personen erklärten die Symptome oft nur zu wenigen Prozent. Die neueste Studie zu ADHS zeige zudem, dass sich fast alle der 76 identifizierten Risikogene auch mit vielen anderen Störungsbildern überlappen. Trotz jahrzehntelanger und milliardenteurer Suche ergebe sich immer wieder aufs Neue: Alles sei irgendwie auch genetisch. Doch in der Praxis nütze das so gut wie nichts.

Der logische Fehler bei ADHS sei außerdem: Wenn ein Kind sehr unruhig sei, bekomme es schnell die Diagnose ADHS – und anschließend wird gesagt, weil es ADHS habe, sei es sehr unruhig. Ein Zirkelschluss. Man tue zwar so als ob, erkläre aber nichts.

Wenn man alle diagnostischen ADHS-Kriterien einschließlich der Mischtypen kombiniere, gebe es rechnerisch 116.220 Kombinationen für ADHS, sagt Schleim. Das verdeutliche, wie heterogen die Schwierigkeiten der Betroffenen seien – und wie schwammig die ADHS-Diagnose.

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Autor: adhskritik

Hans-Reinhard Schmidt, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Gutachter, Buchautor, Supervisor, Dozent.