Wir haben immer wieder betont, dass Ritalin etc. bei allen Menschen wirkt, unabhängig vom Vorliegen einer ADHS. Die klinische Erfahrung zeigt, dass dieser Fakt immer wieder fälschlich dazu benutzt wird, eine ADHS-Diagnose zu bestätigen („ex juvantibus“). Und ebendies ist ein Faktor, der zur zunehmenden ADHS-Diagnostik beiträgt, aber gegenwärtig völlig ignoriert wird. Viele Menschen fühlen sich wegen der Ritalinwirkung in ihrem Irrglauben bestätigt, an ADHS zu leiden.
Darauf weist nun auch Michael Berk, renommierter Professor und u.a. Lehrstuhlinhaber des Alfred-Deakin-Instituts, hin und betont, dass die wahrgenommene Wirksamkeit der Behandlung die Diagnose und somit auch die diagnostischen- und Verschreibungsgewohnheiten beeinflusse. ADHS sei in der Medizin wohl einzigartig: Während Lithium bei einer Bipolaren Störung, Antidepressiva bei Depression und Antipsychotika bei Schizophrenie ganz spezifisch wirken (also bei Nichtbetroffenen nicht wirken), sei bei Ritalin etc. nachgewiesen, dass Stimulanzien auch bei fehlender ADHS wirken.
„Da die meisten Menschen, denen Stimulanzien verschrieben werden, allgemein als vorteilhaft geltende Effekte in Bereichen wie anhaltende Aufmerksamkeit, Wachheit, Stimmung, Energie und Konzentration wahrnehmen – ungeachtet möglicher Nebenwirkungen –, überschneiden sich die pharmakologischen Wirkungen von Stimulanzienbehandlungen zwar mit der Diagnose, sind aber unabhängig von ihr und zeigen sich im gesamten Spektrum, von klinisch manifesten Beschwerden bis hin zu unbestreitbar gesunden Personen.“
Darin liegt ein ignorierter Hauptgrund für die massenhaften ADHS-Diagnosen.
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