Nach wie vor wird behauptet, ADHS sei überwiegend genetisch bedingt. Nicht nur „Betroffene“, auch Mediziner und Hochschulprofessoren glauben unbeirrt daran. So verkündigt die Bonner Universitätsprofessorin Alexandra Philipsen, Mitglied des Beirats von ADHS-Deutschland e.V.: „ADHS hat eine starke genetische Disposition, die Vererbbarkeit liegt bei etwa 70 bis 80 Prozent“ (1). Auch der Würzburger Professor Marcel Romanos, Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Würzburg, sagt, ADHS sei zu 70 – 80 % vererbt (2). Prof. Dr. Schleim von der Universität Groningen sagt dazu: „Diese Antwort ist auf so viele Weisen falsch, dass man sich wünschen würde, sie käme nicht von einem Medizinprofessor“ (3).
In Wahrheit hat man bis heute keine für ADHS spezifischen Gene gefunden, auch sonst keinen einzigen spezifischen biologischen Marker. Bereits vor Jahren hat der amerikanische Forscher Jay Joseph gefunden, dass die Verhaltensgenetik bei ADHS keine Aussage über Genetik versus Umwelt zulässt. Alle Beobachtungen lassen sich auch vollständig durch nicht-genetische Einflüsse erklären (4).
Unspezifische genetische Beteiligungen an ADHS-Verhalten, die man mittels molekulargenetischer Methoden gefunden hat, zeigen nur sehr geringe Effektgrößen. Die Effektgröße einer Variable sagt etwas über die praktische Relevanz eines Ergebnisses aus. Zum Beispiel hat Rauchen eine Effektgröße von 15, d.h. Raucher haben ein 15fach erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als Nichtraucher. Ein solcher Wert gilt in der Forschung als stark. Der Wert für den Effekt eines bestimmten Gens für Alzheimer ist 5, was als mäßig gilt. Und welche Werte hat man nun für Gene gefunden, die im Zusammenhang mit ADHS stehen sollen?
Hier liegen die Effektgrößen zwischen 1,13 bis 1,45, also in einem so schwachen Bereich, dass sie für einen klinischen Nutzen irrelevant sind. Keineswegs taugen solche Werte als Beleg für die Behauptung, ADHS sei genetisch bedingt, zumal die betreffenden Gene nicht spezifisch sind, sondern sich bei vielen anderen psychiatrischen Störungen überlappen (5).
Prof. Dr. Stephan Schleim: „Inzwischen (werden) die Daten zehntausender Menschen untersucht. Dabei kommen immer mehr Gene mit kleinen Effektgrößen heraus. Diese werden bei größeren Stichproben nämlich statistisch signifikant. Wären die Effekte größer, hätte man sie auch mit kleineren Gruppen schon entdeckt. Fürs reine Publizieren ist das eine erfolgreiche Strategie. Patientinnen und Patienten werden davon aber wahrscheinlich nie etwas haben“ (5). .
- https://taz.de/ADHS-bei-Erwachsenen/!5929194/
- https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/debatte-um-adhs-und-ritalin-alles-nur-einbildung-13321111.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
- https://www.telepolis.de/features/30-Jahre-Aufmerksamkeitsstoerung-ADHS-3790539.html?seite=4&fbclid=IwAR3OOlkhflWehbxMNpZhYQ6AJMWacSvSezX1UwSsA2BM3l8CdurgkDA47S4
- http://www.councilforresponsiblegenetics.org/genewatch/GeneWatchPage.aspx?pag
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