Angesichts der Tatsache, dass es keine ADHS-spezifische Symptomatik gibt, sondern Menschen aus vielen unterschiedlichen Gründen psychisch und körperlich unruhig, impulsiv und unaufmerksam sein können, verwundert es nicht, wenn es keine allgemeine nichtmedikamentöse Therapie für ADHS gibt. Ohne sehr sorgfältige Ausschlussdiagnostik, die die jeweilige Ursache der Symptomatik im Einzelfall findet, kann es keine spezifische und effektive Therapie geben. Während Psychopharmaka die Symptomatik nur für die Dauer ihrer Einnahme unterdrücken, sollte eine spezifische nichtmedikamentöse Therapie wirklich kausal heilen.
In der Neurowissenschaft bezeichnet man geistige Prozesse, die Verhalten, Denken, Emotionen, Aufmerksamkeit und Gefühle gezielt, willentlich und angepasst steuern, als Exekutivfunktionen. Eine ADHS-Theorie geht von einer Störung der Exekutivfunktionen aus und will mit einem Training dieser Funktionen, vorwiegend des Arbeitsgedächtnisses, behandeln. Neurofeedback, Verhaltenstherapie und kognitives Training sind gängige Methoden, von denen bisher aber keine überzeugenden nichtmedikamentösen Effekte berichtet werden konnten. Ritalin bügelt sozusagen alles nieder.
Das ist, wie gesagt, kein Wunder, weil diese Ansätze eben viel zu unspezifisch ansetzen. Wenn man Fieber vergleichsweise nur symptomatisch behandeln würde, ohne dessen vielfältige Ursachen zu berücksichtigen, könnte es lebensgefährlich enden.
Die Psychoanalyse kennt Exekutivfunktionen als Teil des „Ich“. Auch Störungen der Ichfunktionen können vielerlei Ursachen haben, u. a. auch Störungen des Zusammenwirkens von „Es“, „Ich“ und „Überich“. Unbewusste intrapsychische Dauerkonflikte als Niederschläge traumatisierender Lebenserfahrungen sind häufige Ursachen von Störungen des Ich bzw. der Exekutivfunktionen. Empirische tiefenpsychologische Studien hierzu fehlen aber noch. Die biologistische ADHS-Rezeption blendet psychische Konflikte als Ursache der Symptomatik aus.
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