EIN TRAUERSPIEL

Die ADHS-Forschung ist bekanntlich in weiten Teilen ein wissenschaftliches Trauerspiel. Die Studien sind sehr oft methodisch schwach und fehlerhaft. Man denke nur an die Methodenschwäche der früheren ADHS-Verhaltensgenetik, die selbst renommierte Wissenschaftler bis heute nicht davon abhält, zu behaupten, ADHS sei bis zu 80% genetisch bedingt, obwohl die Molekularforschung dies nicht bestätigt hat (1).

Ein aktuelles Beispiel findet man in einer geplanten Studie der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Frankfurt, die einen Zusammenhang zwischen dem Arbeitsgedächtnis und ADHS untersuchen will. Studienleiterin Dr. Catherine Barnes-Scheufler und ihre Mitarbeiter behaupten in ihrer Studienbeschreibung, dass das Arbeitsgedächtnis zu den zentralen Gedächtnisfunktionen gehöre, die beim Vorliegen einer ADHS gestört sind (2).

Gleich hier wird einer der Kardinalfehler der ADHS-Forschung wiederholt: Das „Vorliegen einer ADHS“ kann gar nicht festgestellt werden, vielmehr wird nur der Cutwert einer unspezifischen Verhaltensbeschreibung gemessen, die dann „ADHS“ genannt wird. Weiterhin wird eine Kausalität unterstellt (dass ADHS das Arbeitsgedächtnis störe), die nirgends belegt ist.  

Besonders erstaunlich aber ist dieser Halbsatz in der Studienbeschreibung: Bei der Aufzählung von Störvariablen, die ausgeschlossen werden sollen, heißt es: „….außer Alkohol und Zigaretten…“ Da reibt man sich denn doch die Augen, ist doch bekannt, dass Alkohol das Arbeitsgedächtnis stört (3).  Wieso wird Alkoholkonsum bei den Versuchspersonen zugelassen, so dass niemand sagen kann, ob die gemessenen Effekte auf ADHS oder auf Alkohol zurückgehen?

Na denn Prost!

(1)Joseph, J.: The missing Gene. Algora 2006.
(2) https://tinyurl.com/2968zp6c
(3) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35075512/


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Autor: adhskritik

Hans-Reinhard Schmidt, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Gutachter, Buchautor, Supervisor, Dozent.