DAS KIND: MEIN FEIND

SCHWARZE PÄDAGOGIK BEI ADHS-DEUTSCHLAND e.V.

Wie Sie vielleicht gelesen haben, gab es in diesen Tagen einen Internet-Shitstorm gegen einen Bonner Kinderpsychiater, der Kindern angeblich teils jahrelang starke Antipsychotika verschrieben hat und wegen seiner an die Schwarze Pädagogik erinnernden Haltung kritisiert wird. Insbesondere wurde sein angeblich empathiearmer und autoritärer Umgang mit seinen Patienten bemängelt, von noch anderen Vorwürfen einmal abgesehen.

Was bisher niemanden gestört zu haben scheint ist, dass der eingetragene Verein ADHS-Deutschland seit Jahren einen Beitrag von Isabell und Johannes Streif (beide Vorstandsmitglieder des Vereins, Johannes Streif sogar stellvertretender Vorsitzender) auf seiner Webseite vorhält, der Vorstellungen einer Schwarzen Pädagogik sehr nahe kommt. Dies im Rahmen eines Vereins, der sich nicht von einer Psychopharmaka-Behandlung von Kindern abgrenzt, ein Vorwurf, der dem besagten Bonner Kinderpsychiater auch heftig gemacht wird.  Im Folgenden einige (kursive) Zitate aus dem Beitrag. Eingangs schränken die Autoren ihre anschließenden Empfehlungen ein:

𝙎𝙞𝙚 𝙨𝙚𝙩𝙯𝙚𝙣 𝙖𝙣 𝙚𝙞𝙣𝙚𝙢 𝙋𝙪𝙣𝙠𝙩 𝙖𝙣, 𝙯𝙪 𝙙𝙚𝙢 𝙙𝙞𝙚 𝙀𝙡𝙩𝙚𝙧𝙣 𝙗𝙚𝙧𝙚𝙞𝙩𝙨 𝙫𝙞𝙚𝙡 𝙖𝙪𝙛 𝙥ä𝙙𝙖𝙜𝙤𝙜𝙞𝙨𝙘𝙝𝙚𝙢, 𝙩𝙝𝙚𝙧𝙖𝙥𝙚𝙪𝙩𝙞𝙨𝙘𝙝𝙚𝙢 𝙪𝙣𝙙 𝙢𝙚𝙙𝙞𝙯𝙞𝙣𝙞𝙨𝙘𝙝𝙚𝙢 𝙁𝙚𝙡d 𝙪𝙣𝙩𝙚𝙧𝙣𝙤𝙢𝙢𝙚𝙣 𝙝𝙖𝙗𝙚𝙣, 𝙪𝙢 𝙙𝙖𝙨 𝙋𝙧𝙤𝙗𝙡𝙚𝙢𝙫𝙚𝙧𝙝𝙖𝙡𝙩𝙚𝙣 𝙞𝙣𝙣𝙚𝙧𝙝𝙖𝙡𝙗 𝙙𝙚𝙧 𝙁𝙖𝙢𝙞𝙡𝙞𝙚 𝙞𝙣 𝙙𝙚𝙣 𝙂𝙧𝙞𝙛𝙛 𝙯𝙪 𝙗𝙚𝙠𝙤𝙢𝙢𝙚𝙣.

Es geht also nicht darum, Problemverhalten selbstkritisch zu verstehen, sondern „in den Griff zu bekommen“. Diese Wortwahl sagt schon alles.

Wir wissen, dass Eltern, die vorher angeblich so viel Misserfolg mit alternativen Hilfsangeboten hatten, nicht ausreichend für Familientherapie motiviert worden sind und mit unfähigen/ungeeigneten Hilfeanbietern zu tun hatten. Man will Kinder nicht verstehen, sondern in den Griff bekommen.

Die Familien hätten bessere Hilfe finden können als die von den Autoren empfohlene autoritäre, unempathische und aggressiv gegen das Kind gerichtete elterliche Haltung, die nicht selten biografisch ohnedies der Grund für die Probleme war und nun mit den Ratschlägen der Autoren nur verschlimmert werden würde:

… 𝙨𝙤𝙡𝙡𝙩𝙚𝙣 𝙙𝙞𝙚 𝙀𝙡𝙩𝙚𝙧𝙣 𝙠𝙡𝙖𝙧 𝙙𝙖𝙧𝙡𝙚𝙜𝙚𝙣, 𝙙𝙖𝙨𝙨 𝙚𝙨 𝙠𝙚𝙞𝙣𝙚𝙣 𝙕𝙬𝙖𝙣𝙜 𝙜𝙞𝙗𝙩, 𝙞𝙢 𝙃𝙖𝙪𝙨𝙝𝙖𝙡𝙩 𝙙𝙚𝙧 𝙁𝙖𝙢𝙞𝙡𝙞𝙚 𝙯𝙪 𝙡𝙚𝙗𝙚𝙣, 𝙨𝙤 𝙙𝙖𝙨𝙨 𝙚𝙨 𝙙𝙚𝙢 𝙆𝙞𝙣𝙙/𝙅𝙪𝙜𝙚𝙣𝙙𝙡𝙞𝙘𝙝𝙚𝙣 𝙤𝙛𝙛𝙚𝙣 𝙨𝙩𝙚𝙝𝙩, 𝙨𝙞𝙘𝙝 𝙞𝙣 𝘼𝙗𝙨𝙥𝙧𝙖𝙘𝙝𝙚 𝙢𝙞𝙩 𝙙𝙚𝙢 𝙅𝙪𝙜𝙚𝙣𝙙𝙖𝙢𝙩 𝙗𝙚𝙞𝙨𝙥𝙞𝙚𝙡𝙨𝙬𝙚𝙞𝙨𝙚 𝙚𝙞𝙣𝙚 𝙃𝙚𝙞m𝙪𝙣𝙩𝙚𝙧𝙗𝙧𝙞𝙣𝙜𝙪𝙣𝙜 𝙖𝙣𝙯𝙪𝙨𝙘𝙝𝙖𝙪𝙚𝙣

Der Ausstoßungsmodus, den solche Kinder in ihrer Familie oft von Kleinauf erlebt haben, wird hier unreflektiert perpetuiert. Die Konfrontation, die in solchen Familie oft von Kleinauf zwischen Eltern und Kind herrschte, wird verstärkt. Was soll das helfen?

… 𝙨𝙤𝙡𝙡𝙩𝙚 𝙫𝙤𝙣 𝙙𝙚𝙣 𝙀𝙡𝙩𝙚𝙧𝙣 𝙞𝙣 𝙀𝙧𝙬ä𝙜𝙪𝙣𝙜 𝙜𝙚𝙯𝙤𝙜𝙚𝙣 𝙬𝙚𝙧𝙙𝙚𝙣, 𝙢𝙞𝙩 𝙙𝙚𝙢 𝙉𝙖𝙘𝙝𝙬𝙪𝙘𝙝𝙨 𝙙𝙞𝙧𝙚𝙠𝙩 𝙯𝙪𝙢 𝙅𝙪𝙜𝙚𝙣𝙙𝙖𝙢𝙩 𝙯𝙪 𝙜𝙚𝙝𝙚𝙣

Die drohende Haltung der Eltern in Konfrontation zum Kind ist massiv autoritär, hilflos und selbstschädigend.

𝘽𝙚𝙨𝙩𝙚𝙝𝙩 𝙙𝙞𝙚 𝙂𝙚𝙛𝙖𝙝𝙧, 𝙙𝙖𝙨𝙨 𝙆𝙞𝙣𝙙𝙚𝙧 𝙤𝙙𝙚𝙧 𝙅𝙪𝙜𝙚𝙣𝙙𝙡𝙞𝙘𝙝𝙚 𝙨𝙞𝙘𝙝 𝙖𝙗𝙬𝙚𝙧𝙩𝙚𝙣𝙙 𝙤𝙙𝙚𝙧 𝙫𝙚𝙧𝙡𝙚𝙪𝙢𝙙𝙚𝙧𝙞𝙨𝙘𝙝𝙚 ü𝙗𝙚𝙧 𝙚𝙞𝙣 𝙀𝙡𝙩𝙚𝙧𝙣𝙩𝙚𝙞𝙡 ä𝙪ß𝙚𝙧𝙣 (𝙯.𝘽. 𝙁𝙧𝙚𝙪𝙣𝙙𝙚𝙣, 𝙉𝙖𝙘𝙝𝙗𝙖𝙧𝙣, 𝙇𝙚𝙝𝙧𝙚𝙧𝙣 𝙤𝙙𝙚𝙧 𝙖𝙣𝙙𝙚𝙧𝙚𝙣 𝙋𝙚𝙧𝙨𝙤𝙣𝙚𝙣 𝙚𝙣𝙩𝙜𝙚𝙜𝙚𝙣 𝙙𝙚𝙧 𝙒𝙖𝙝𝙧𝙝𝙚𝙞𝙩 𝙗𝙚𝙧𝙞𝙘𝙝𝙩𝙚𝙣, 𝙙𝙖𝙨𝙨 𝙨𝙞𝙚 𝙯𝙪𝙝𝙖𝙪𝙨𝙚 𝙚𝙞𝙣𝙜𝙚𝙨𝙥𝙚𝙧𝙧𝙩, 𝙜𝙚𝙨𝙘𝙝𝙡𝙖𝙜𝙚𝙣, 𝙢𝙞𝙨𝙨𝙗𝙧𝙖𝙪𝙘𝙝𝙩 𝙤𝙙𝙚𝙧 𝙞𝙣 𝙚𝙞𝙣𝙚𝙧 𝙙𝙚𝙢 𝘼𝙡𝙩𝙚𝙧 𝙣𝙞𝙘𝙝𝙩 𝙖𝙣𝙜𝙚𝙢𝙚𝙨𝙨𝙚𝙣𝙚𝙣 𝙒𝙚𝙞𝙨𝙚 𝙯𝙪 𝘼𝙧𝙗𝙚𝙞𝙩𝙚𝙣 𝙝𝙚𝙧𝙖𝙣𝙜𝙚𝙯𝙤𝙜𝙚𝙣 𝙬𝙚𝙧𝙙𝙚𝙣), 𝙨𝙤 𝙨𝙤𝙡𝙡𝙩𝙚𝙣 𝙀𝙡𝙩𝙚𝙧𝙣 𝙙𝙞𝙚𝙨𝙚𝙨 𝙑𝙚𝙧𝙝𝙖𝙡𝙩𝙚𝙣…
nicht ernst nehmen? Wer entscheidet in solchen Fällen, was Wahrheit oder Lüge ist? Die Gefahr, dass Kinder nicht gehört und nicht ernstgenommen werden, ist bekannt und groß.

𝙀𝙞𝙣 𝙧𝙚𝙨𝙤𝙡𝙪𝙩𝙚𝙧 𝙐𝙢𝙜𝙖𝙣𝙜 𝙢𝙞𝙩 𝙋𝙧𝙤𝙫𝙤𝙠𝙖𝙩i𝙤𝙣𝙚𝙣
ist nach Ansicht der Autoren wichtig. Es sind allerdings nicht die Provokationen von Eltern gemeint, auch nicht die, die eine Familienrichterin und ein Psychologe bei ADHS-Deutschland Eltern empfehlen.

Es sind Empfehlungen zu weiterer Konfrontation zwischen Eltern und Kindern. Man will Kinder „in den Griff bekommen“. Das ist Schwarze Pädagogik von oben nach unten, autoritär, nicht-empathisch und hilflos.

Nichts wird davon gut.

http://www.adhs-deutschland.de/des…/tabid-17/74_read-7757/

Autor: adhskritik

Hans-Reinhard Schmidt, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Gutachter, Buchautor, Supervisor, Dozent.

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