PHARMAWERBUNG FÜR ADHS

VIEL GELD FÜR VERBOTENE ADHS-WERBUNG
Pharmawerbung für verschreibungspflichtige Medikamente ist außer in USA und Neuseeland in der ganzen Welt verboten. Aber die Pharmaunternehmen unterlaufen dieses Verbot mit einer Vielzahl indirekter Werbekampagnen. Auch das Konstrukt ADHS mitsamt der zur Behandlung angebotenen Psychopharmaka wird auf diese Weise seit vielen Jahren massiv mit viel Geld gepusht, derzeit rollt eine Werbekampagne für „ADHS bei Erwachsenen“ durch Deutschland, die von einigen sog. Fachleuten, Ärzten, Selbsthilfevereinen und -verbänden und vor allem auch hörigen Medien betrieben wird. Man kann davon ausgehen, dass die Pharmaindustrie im Hintergrund viel Geld und Lobbyarbeit einsetzt, die Geldempfänger darüber aber natürlich vornehm schweigen.

Auch der Verein ADHS-Deutschland, der eben jetzt die Werbung für Erwachsene betreibt, hat bis vor einigen Jahren Pharmagelder erhalten und bezieht seither Gelder zur Förderung spezieller ADHS-Projekte, die stets einen Werbecharakter haben. Potentielle Interessenkonflikte durch eine Betätigung als „Mietmaul“ für die Pharmakonzerne muss man in Deutschland nicht öffentlich machen, im Unterschied zu den USA. Der US-Universitätsprofessor Joseph Biederman beispielsweise hatte aber trotzdem 1,6 Millionen US-Dollar Pharmagelder, auch für seine ADHS-Forschung, verschwiegen.

AWARENESS-KAMPAGNE: WELTKONGRESS ADHS
Eine beliebte versteckte Werbung für ADHS und Psychopharmaka erfolgt häufig mittels „Awareness-Kampagnen“ in Form von Weiterbildungsseminaren oder internationalen Kongressen. Der 8. Weltkongress der „ADHD World Federation“ vom 06.- 09.05.2021 gibt hierfür ein treffliches Beispiel ab, auch ADHS-Deutschland rührt dafür die Werbetrommel, obwohl sich die meisten seiner Mitglieder den hohen Teilnehmerbeitrag des obendrein in Englisch ablaufenden Kongresses wohl gar nicht leisten können. Dieser Kongress wurde 2007 in der damaligen Ritalin-Hochburg Würzburg gegründet.

Kongresspräsident ist ein Weggenosse von Joseph Biederman, nämlich S.V. Faraone. Er hat Einnahmen von den Pharmafirmen Shire, Rhodos, KenPharm, McNeil, Janssen, Pfizer, Eli Lilly, Sunovion, Ironshore und Novartis erhalten. Der notorische Biederman selbst sitzt im wissenschaftlichen Ausschuss, ebenso die Geschäftsführerin von ADHS-Deutschland e.V. und Weltkongress-Mitbegründerin Alexandra Philipsen, die als Beraterin und Vortragende zum Thema ADHS für die Firmen Medice Arzneimittel Pütter GmbH sowie Shire/Takeda tätig war, auch finanzielle Kongressunterstützung von Janssen-Cilag, Servier sowie Forschungsmittel von der Firma Medice erhalten hat. Co-Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses ist auch ein Luis A. Rohde, der von Novartis/Sandoz, Shire/Takeda, Bial, Pfeizer, Janssen sowie Medice Honorare erhalten hat. Sponsoren des Kongresses sind die Pharmafirmen Takeda, Medice, Caddar sowie SFI (Boehringer). Takeda ist einer der weltweit größten Pharmakonzerne und hat 2019 für 62 Milliarden die Firma Shire („Evanse“, „Intuniv“) gekauft.

Es verwundert also nicht, dass wir und viele andere Experten einen Zusammenhang sehen zwischen exzessivem Pharma-Marketing und inflationierenden ADHS-Diagnosen sowie den stetig steigenden Verschreibungszahlen von Psychopharmaka.

Liebe Gäste, wenn Sie sich also wirklich die Teilnahme an diesem Kongress zumuten wollen, werden Sie feststellen: In guter Gesellschaft sind Sie nicht!

Autor: adhskritik

Hans-Reinhard Schmidt, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Gutachter, Buchautor, Supervisor, Dozent.