Aberglaube ADHS: Ritalin wirkt paradox

RITALIN®:  PARADOXE WIRKUNG?

Immer wieder wird behauptet, Methylphenidat (der Wirkstoff in Ritalin etc.) wirke spezifisch nur bei ADHS-Erkrankten. Damit wird denn auch seine Verabreichung als Medikament begründet, denn wenn es so auch bei Gesunden wirken würde, wäre es ja nicht wirklich ein Medikament, sondern Hirndoping. Es wird behauptet, bei Gesunden putsche es auf, bei „ADHS“ gleiche es einen krankhaften Dopaminmangel im Gehirn aus und beruhige. So mancher behauptet sogar noch, die Wirkung von Ritalin beweise die Diagnose ADHS („ex juvantibus“).

Abgesehen davon, dass noch bei keiner psychiatrischen Krankheit, also auch nicht bei „ADHS“, ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn als Ursache gefunden wurde: in einer Auswertung aller vorliegenden relevanten Forschungsstudien zur Wirkung von Methylphenidat bei Gesunden kommen Linssen u. a. zum Ergebnis, dass bereits eine übliche Einmaldosis von Methylphenidat das Arbeitsgedächtnis, die Denkgeschwindigkeit, das verbale Lernen und Merken, die allgemeine Aufmerksamkeit und geistige Wachheit, das Nachdenken und Problemlösen deutlich verbessert (1). Das sind alles Verbesserungen, die man auch bei sogenannten ADHS-Patienten erzielen will. Es wird also deutlich, dass es keinen Unterschied macht, ob man Ritalin als Medikament gegen „ADHS“ oder als Neuroenhancement bei Gesunden verwendet.

Kein Wunder bei einem Amphetaminabkömmling. Kein Wunder also, wenn schulisch (aus welchen Gründen auch immer) beeinträchtigte Kinder mit Ritalin „besser“ werden (aber nach Absetzen des Medikaments nicht bleiben), bis hin zu einer leserlicheren Handschrift. Kein Wunder, wenn es auch Menschen mit allerlei anderen Malaisen damit vorübergehend besser zu gehen scheint. Kein Wunder auch, wenn Ritalin als Alltagsdoping im Sinne von Neuro-Enhancement verwendet wird.

Mph putscht auf, wenn man es als Droge überdosiert. Aber als Medikament beruhigt es und fördert die Kognition, dafür lieben es ja einige Eltern und Lehrer so. Und: Diese Wirkung hat es unabhängig von „ADHS“ bei (fast) allen Menschen.  „…In neueren Studien zeigte sich jedoch, dass die Wirkungen von Methylphenidat bei Menschen mit und ohne ADHS gleichartig sind.“

https://www.adhspedia.de/wiki/Paradoxe_Reaktion_bei_ADHS

Autor: adhskritik

Hans-Reinhard Schmidt, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Gutachter, Buchautor, Supervisor, Dozent.