ADHS BEI ERWACHSENEN

VON DER WIEGE BIS ZUR BAHRE?

Nachdem die Pharmaindustrie einsehen musste, dass der Ritalin-Markt bei Kindern begrenzt ist, hat sie die Unspezifität der ADHS-Symptome dazu benutzt, auch bei Erwachsenen „ADHS“ zu suchen – und natürlich gefunden. Schließlich findet sich diese Allerweltssymptomatik ganz normal fast überall, man muss nur verbreiten, dass es sich um eine Krankheit handelt. Die Pillen dagegen lagern schon zentnerweise in den Regalen. Und bezahlte fachliche Mietmäuler, die alles pseudowissenschaftlich aufbereitet verbreiten, gibt es wie immer auch.

Es gibt kaum etwas Absurderes als die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen. Das Bestehen der „Krankheit“ muss seit der Kindheit (seit dem 6. bzw. 12. Lebensjahr) belegt sein, weil sich Kinder-ADHS im Erwachsenenalter angeblich keineswegs „auswächst“. Meist werden die erwachsenen Patienten selbst befragt, wie sie rückblickend ihre Kindheit beurteilen. Dass dieses Vorgehen eine Menge Fehlermöglichkeiten in sich birgt, liegt auf der Hand. Die Patienten können natürlich bewusst oder unbewusst beeinflussen, wie die Diagnose aussehen wird. Wer ADHS haben will (und das gibt es!), der kriegt es. Das subjektive rückblickende Vorgehen kann in keiner Weise dem strengen Ausschlussverfahren gerecht werden, das sonst allgemein bei der Diagnostik berücksichtigt werden sollte.

Untersuchungen, wie zuverlässig solche Selbstauskünfte von Patienten über ihre „ADHS“-Vergangenheit sind, gibt es kaum. Mannuzza S, u. a. haben schon vor Jahren herausgefunden, dass nur 27 Prozent aller Erwachsenen, die die Diagnose „ADHD“ erhalten hatten, richtig diagnostiziert worden waren, 73 Prozent aber nicht. Die Autoren kannten die Kindheitsdiagnosen ihrer erwachsenen Versuchspersonen aus einer prospektiven, 16 Jahre andauernden Längsschnittuntersuchung. Sie ließen die 25jährigen Erwachsenen von Diagnostikern, die diese Kindheitsdiagnosen nicht kannten, untersuchen und nach ihren Kindheitserinnerungen befragen. Die rückblickende Selbstauskunft konnte dann mit der „wirklichen“ Diagnose aus der Kindheit verglichen werden. Die Autoren schließen daraus, dass rückblickende ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen, die sich auf Selbstauskünfte beziehen, in den meisten (drei Viertel) Fällen falsch sind.

Nun sind in jüngerer Zeit 3 weitere gute prospektive Studien erschienen, die sich mit der Frage befassen, ob ADHS wirklich im Erwachsenenalter fortdauert, eine aus Neuseeland, eine aus Brasilien sowie eine britische. Die Frage war, ob eine Erwachsenen-ADHS-Diagnose im Zusammenhang steht mit einer solchen in der Kindheit. Ohne hier auf die Einzelheiten einzugehen (die man in den Studien selber nachlesen kann): nur in 10, in 17,2 und in 21,9 Prozent der Fälle traf dies zu. Im Durchschnitt gab es also nur in 16,4 Prozent der Fälle einen Zusammenhang zwischen Kindheits-ADHS und Erwachsenen-ADHS, oder anders ausgefrückt: in 83,4 Prozent der Fälle nicht. Nicht nur, dass die Erwachsenendiagnosen weit überwiegend falsch sind, es gibt auch kein Andauern von ADHS im Erwachsenenalter. Worunter man auch leiden mag, „ADHS“ ist es nicht.

Fazit: „ADHS“ bei Erwachsenen gibt es nicht.

http://archpsyc.jamanetwork.com/article.aspx…
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904985…

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